Trettnitz an Welt

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Kapitel 1 - Zurück in Preußen

Rittstetter hatte auf der Rückreise mehr als genug Zeit gehabt seinen Bericht zu schreiben. Sein Auftrag war es gewesen für das preußische Heereswaffenamt das Schlachtfeld von Port Arthur zu untersuchen und die Auswirkung der neuesten Waffentechnologie festzuhalten. Der junge Offizier war dieser Aufgabe aufs gründlichste nachgekommen und hatte den Bericht vorgelegt. Er war sogar soweit gegangen Empfehlungen am Ende anzumerken. Jetzt wollte ihn sein Vorgesetzter sprechen. Im Vorzimmer wurde er sofort in das Dienstzimmer geschickt und kam in einen abgedunkelten Raum: "Her Oberstleutnant, Oberleutnant Rittstetter, melde mich wie befohlen!", "Rühren!", Rittstetter kam dem nach und sah auf den Stabsoffizier der offenbar gut zu überlegen schien, welche Worte für das kommende am besten geeignet schienen. "Ich habe ihren Bericht sorgfältig gelesen. Nun, wenn ich Sie richtig verstehe sehen Sie uns auf eine Katastrophe gigantischen Ausmaßes zusteuern.", der Oberstleutnant sah Rittstetter an und wartete, Rittstetter sagte allerdings nichts also fuhr der Mann fort: "Sie fordern eine Erforschung des Grabenkrieges in Planspielen zur Entwicklung von Strategie, Ausrüstung und Brauchbarkeit des vorhanden Materials. Sie gehen also davon aus, die kaiserliche Armee würde im Kriegsfall zum Stellungskampf gezwungen werden. Haben Sie denn gar nichts aus 1866 und 1870/71 gelernt? Schnelle Aufmärsche und ein Durchmarsch sind unsere Mittel!", "Und wenn die scheitern? Was ist der Ausweichplan?", "Wir haben modernste Krupp-Artillerie, Kavallerie und die Eisenbahn, sowie gut gedrillte Infanteristen!", "Alles was ich fordere ist mit einer kleinen Gruppe von Soldaten und Wissenschaftlern im geheimen über Waffen und Strategien des Stellungskrieges nachzudenken. Wenn Sie meine Angst vor einem großen Grabenkrieg nicht teilen, dann lassen Sie mich diese Konzepte für Gräben vor Festungen des Feindes finden.", "Achten Sie auf ihren Ton Oberleutnant!", die beiden Männer starrten sich an. "Mal angenommen Sie könnten tatsächlich nach diesem >Konzept< suchen, wie stellen Sie sich das vor?", "Ich würde mit einigen Soldaten als erstes mehrere Gräben ziehen und dann Manöver machen. Oder unterschiedlich ausgebaute Gräben mit Puppen bestücken und dann verschiedene Artilleriefeuer darauf niedergehen lassen um so den optimalen Graben zu finden; um nur ein paar Ansätze zu nennen.", "Und wofür wollen sie Wissenschaftler", "Wenn Dinge auffallen, für die neue Ausrüstung gebraucht wird, oder wenn allgemein Fragen auftauchen hätte ich gerne einen Chemiker, Physiker oder jemand in der Richtung den ich dazu befragen kann.", wieder herrschte etwas länger Stille. Der Stabsoffizier räusperte sich und kratzte sich an der Backe bevor er sprach: "Wissen Sie Rittstetter, schon als man Sie zu uns versetzt hat, war mir irgendwie klar, daß es mit Ihnen nicht einfach wird!", eine Akte auf dem Schreibtisch wurde von zwei Händen ergriffen und durchgeblättert: "Durchschnittlicher Körperbau ... 175cm groß ... Eintritt in das Heer direkt nach der Schule ... Zielstrebig ... Was sagt ihre Familie zu Ihrem Werdegang?", "Meine Eltern sind stolz und glücklich", "Nun genug geplaudert, ich will sagen was ich denke", dabei zündete der Stabsoffizier sich eine Zigarette an und zog an ihr, wartete einen Moment und stieß den Rauch aus: "Ich halte ihre Meinung für absoluten Quatsch", wieder ein Blickduell, "Aaaaaber", es war ein wirklich langes `a´, "die Franzosen haben in der Tat viele Festungen gebaut und ihre Behauptung, Grabenkämpfe vor diesen Festungen müssen vorbereitet sein, unterstütze ich, sofern wir überhaupt gegen diese Festungen kämpfen müssen.", "Sie meinen den Schlieffen-Plan Herr Oberstleutnant?", "Ja, genau den... Wie auch immer. Ich werde versuchen ihr Vorhaben durchzusetzen, unter der Bedingung, daß Sie akzeptieren, wenn Ihr vorhaben abgelehnt wird.", Rittstetter schluckte, "Ich werde alle Argumente zu Rate ziehen die Möglich sind! Daher werde ich grundsätzlich von Kämpfen vor Festungen sprechen.", "Danke, Herr Oberstleutnant!", "Ohne Meldung!

Rittstetter verließ das Dienstzimmer seines Vorgesetzten. Er war sich nicht ganz sicher was er von diesem Mann halten sollte. Und er wurde das Gefühl nicht los, daß der Stabsoffizier sich nur für ihn Einsetzen wollte um ihn los zu werden. Er hielt das auch für den Grund der Asienreise, warum sonst hätte man einen Offizier in ein Land schicken sollen, um sich das Schlachtfeld eines Krieges anzusehen, in dem man den Gegner unterstützt hatte? "Und, was sagt der Alte?", die Frage kam von der Ordonnanz im Vorzimmer, "Kurz zusammengefaßt: Er hält mich für einen Idioten, Fritz.", "Also lehnt er alle Ideen ab?", "Nein, er will mir eine Arbeitsgruppe geben ... Vermutlich damit ich ihm hier nicht im Weg bin.", "Meine Güte, Günther, eckst Du eigentlich überall so an?", "Ach, Du weißt doch: Genies werde zu Lebzeiten immer verkannt!", mit diesen Worten verließ Rittstetter das Vorzimmer und ging an seinen Arbeitsplatz zurück, ein ganzer Stapel Beschaffungsplanungen mußte noch Korrektur gelesen werden und würde es sicher nicht von alleine tun.

23.9.13 18:04

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